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Gemeindegebet

Frauenfrühstück am 14. Januar 2017

„Wenn das Leben schmerzt“ ist der Titel des Vortrags, der über 50 Frauen am Samstagmorgen trotz Schnee und Kälte ins Kirchgemeindehaus von Neukirch zog. Natürlich lockte auch das angekündigte Frühstück in gemütlicher Gemeinschaft. Ruth Bai-Pfeifer, die Referentin, nahm uns an diesem Morgen mit in einen Lebensbereich, mit dem wir uns wahrscheinlich nur in den seltensten Fällen gern auseinandersetzen: Das Leben mit Schmerzen an Körper und Seele, Behinderungen, Folgen von Tod und Terror und damit die Frage nach der eigenen Schmerzerfahrung. Ruth Bai wurde in Graz/Österreich mit einem Gendefekt geboren. Deshalb lebt sie seit Geburt mit der seltenen Muskelkrankheit "Central Core Disease", welche viele Einschränkungen mit sich bringt. Während 16 Jahren arbeiteten sie gemeinsam mit ihrem Mann als Pastorenehepaar in verschiedenen Chrischona-Gemeinden, später war Ruth Bai zunehmend als Seelsorgerin, Erwachsenenbildnerin, Beraterin und Referentin tätig. 2006 traf Ruth Bai die Diagnose Brustkrebs, den sie heute überwunden hat. Während des Vortrags wurde deutlich, dass die Behinderung ihr Leben geprägt hat und dass sie weiss, wovon sie spricht.

Sie konfrontierte die Zuhörerinnen mit der Aktualität des Themas, indem sie aufzeigte, wie Schmerz in unser Leben kommen kann und bat auch die Frauen, die eigenen Schmerzerfahrungen einzubringen. Durch die eigenen Schmerzerfahrungen fühlten wir unsere Verletzlichkeit, denn Schmerz habe immer mit Verlust zu tun und mit dem Zerbrechen der Illusion, wir hätten das eigene Leben in der Hand. Frau Bai stellte sich und uns die Frage, warum wir Verletzbarkeit spüren müssen. Gott schuf den Menschen eigentlich für das Paradies, für eine schmerzfreie Welt. Gott wollte, dass die Menschen in ewig ungetrübter Gemeinschaft mit Ihm und mit den Mitmenschen leben sollen. Harmonie und Lebensfreude waren Gottes Schöpfungsgedanken. Aber dann haben die Menschen sich bewusst von ihrem Schöpfer abgewendet und damit kam Tod und Schmerz in diese Welt. Wir sind ein Teil dieser Welt und müssen jetzt lernen, mit den Folgen, mit Schmerz zu leben. Die Sehnsucht nach dem Himmel, wo Harmonie und Lebensfreude sein wird, wird immer in uns bleiben, bis wir einmal dort sein werden. Das ist zutiefst Schmerz. Weiter führte sie aus, wo Schmerz sei, sei auch Trauer und Trauer bilde die Brücke zwischen verlorener Vergangenheit und noch nicht gefundener Zukunft. Auch zitierte Frau Bai, den Psychiater Viktor Frankl als mögliche Antwort auf die Frage, warum Leid zu unserem Leben gehöre. Frankl geht davon aus, dass der Mensch sich Leidensfähigkeit „er-leiden“, also lernen müsse, da er nicht mit dieser Fähigkeit geboren werde. Auch die Frage, warum Gott das Leid zulasse, stellte Frau Bai. Doch auch der verwurzeltste Christ habe nicht immer eine Antwort auf leiden, aber Trost durch das Kennen von Gott. Gott ist immer da. Er umgibt uns von allen Seiten. Auch wenn wir Ihn nicht fühlen, ist er trotzdem da. Es ist eine Entscheidung, die wir treffen - ob wir diesem Gott, den wir nicht verstehen, vertrauen wollen. An dieser Stelle brachte die Referentin einen weiteren Gedanken aus ihrem grossen Erfahrungsschatz ein: Sie beschäftige es, dass es in der christlichen Szene immer noch Leute gebe, die meinten, man könne mit genug Glauben und richtigem, vollmächtigem Gebet alles heilen, was weh tut im Leben (sei dies Krankheit, Behinderung oder seelische Schmerzen). Diese Leute, darunter auch Leiter von Werken und Gemeinden, hätten vergessen, dass wir in einer gefallenen Schöpfung leben. Leid und Schmerz gehörten zu dieser Welt.

Zum Abschluss des Referats machte uns Frau Bai vertraut mit ganz lebenspraktischen Strategien, die helfen können, mit dem Schmerz zu leben. Sie legte uns ans Herz genau hinzusehen, nicht in der Verbitterung stecken zu bleiben, sondern zum eigenen Leben und zur eigenen Person Ja zu sagen. Sie empfiehlt Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich zu entscheiden, die schönen Dinge des Lebens wahrzunehmen. Auch Singen gehöre dazu und Beten. Man kann nun neue Wege gehen, weil man andere Menschen besser versteht und man solle versöhnt leben, lernen sein Schicksal zu umarmen. Eine der „Strategien“ nahmen wir gleich am Ende des Referats noch einmal auf und verabschiedeten uns singend mit Klavierbegleitung durch Theresia Müller von diesem berührenden Morgen.

Heike Breit